Die Frauenförderung im nordrhein-westfälischen Landesbeamtengesetz ist verfassungswidrig, das hat das Oberverwaltungsgericht Münster am 21. Februar 2017 entschieden. Dass Beförderungen nur durch das Geschlecht als solches entschieden würden, verletzte den Grundsatz der Bestenauslese. Ich habe mich schon als Jura-Professor intensiv mit dem Thema Frauenquote ausgesetzt und halte den Ansatz des Gesetzes von Grund auf für falsch. Was wir brauchen ist eine gezielte Förderung von Eltern (in Teilzeit). Hier meine Ausführungen im Detail:

Die Frauenförderung in NRW und die bisherigen gesetzlichen Regelungen zu einer Frauenquote in Führungspositionen an sich verfehlen das selbstgesetzte Ziel der Gleichstellung der Frauen und Männern von Grund auf. Sie alle vernachlässigen die Ursachen für den geringen Anteil von Frauen in Führungspositionen in Deutschland: die mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Kindern.  

Daran ändert sich auch dann nichts, wenn vermehrt Frauen gefördert werden. Bisher schafft den Sprung an die Spitze in Deutschland nur, wer keine Kinder hat oder die Betreuung des Nachwuchses weitgehend abgegeben hat. Solange durch Erziehungsaufgaben (oder auch durch die Pflege der eigenen Eltern) ein eklatanter Karriereknick entsteht, ist für die meisten Familien in Deutschland nichts gewonnen. 

Auch die meisten Frauen profitieren nicht, denn: Gerade in NRW, aber auch anderswo in Deutschland, sind es eben immer noch die Mütter, die ab der Geburt eines Kindes beruflich zurückstecken – und damit erhebliche Einschränkungen für ihre Karriere in Kauf nehmen (müssen). Eine Förderung allein nach dem Kriterium des natürlichen Geschlechts stiftet – wie das Gerichtsverfahren in Münster zeigt – nur Unruhe in Wirtschaft und Behörde.

Vor diesem Hintergrund ist der Vorschlag des OVG Münster richtig, bei der Bildung eines Gesamturteils über geeignete (und damit die besten) Bewerber den Blick zu öffnen und etwa Eignungsmerkmale wie zum Beispiel Begabung, Allgemeinwissen, Lebenserfahrung oder Charaktereigenschaften stärker zu gewichten.  Noch effektiver aber wäre eine Teilzeitquote. Diese zielt auf das eigentliche, hinter der Unterrepräsentanz von Frauen liegende Problem, und käme auch engagierten Vätern zugute.

Mithilfe einer "Teilzeitquote" könnten wir beweisen: Auch Eltern, die für ihre Kinder da sein wollen, können Führungsaufgaben bestens ausfüllen - flexible Arbeitszeitregelungen, Jobsharing oder andere innovative Ansätze haben Wirtschaft und Wissenschaft schon lange entwickelt. Es ist an der Zeit, diese zum Wohle der Familien in Deutschland einzusetzen.